Konfirmation Du bist du – und: Matthäus 5,13a 2. und 9. Mai 2010

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

 

Du bist Du“, dieser starke Zuspruch hat uns durch die Konfirmandenzeit begleitet. Ich habe dieses

Jahr mit Euch genossen, Ihr ward ein toller Jahrgang! Wir haben viel Schönes miteinander erlebt

und in beiden Gruppen habe ich spannende, einzigartige Jugendliche kennen gelernt. Weil der Satz

halt stimmt: „Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.“

„Du bist Du“: das war unser roter Faden und unsere Basis; und dieses Lied war klar Euer

Lieblingslied!

Bei der Taufe klingt dieselbe Botschaft so: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich

habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“(Jes.43,1) Das ist eine Liebeserklärung für

uns zerbrechliche, problematische Menschen. Eine schönere könnte man sich kaum ausdenken!

Gott kennt mich, wie ich wirklich bin; er liebt mich und hält mich fest, trotz allem, was überhaupt nicht

toll ist an mir.

Diese Liebeserklärung Gottes in Jesus Christus ist die Basis unseres Christseins! Sie ist felsenfest

und mit allem belastbar, weil sie gerade nicht an dem zarten Pflänzchen unseres Glaubens hängt,

sondern an Gott selbst, der uns ruft. Die Taufe ist das Zeichen für diesen Ruf und diese Lebensbasis.

Die Taufe schenkt uns die „herrliche Freiheit der Kinder Gottes“. „Du bist Du“ und „Du bist

mein“, egal was kommt! - 15 von Euch denken heute zurück an Ihre Taufe als kleines Kind; und

nachher sagt Ihr aus eigenen Stücken „Ja“ zum Christsein! Die Taufe von Joana erleben wir direkt,

was ich wunderschön finde!

„Du bist Du“: diesem Motto möchte ich ein Wort von Jesus an die Seite stellen. Es führt den

Gedanken weiter und zeigt uns etwas von den Folgen der Gotteskindschaft!

„Ihr seid das Salz der Erde“! Uns spricht das Jesus zu, in seiner Bergpredigt. Wir spüren, dass er

uns damit unwahrscheinlich ernst nimmt und ehrt. „Ihr seid das Salz der Erde“, Ihr, die ihr an mich

glaubt und mir nachlebt. Schon als Schüler, als Konfirmandin. Nicht nur die Mächtigen und Reichen

dieser Welt sind wichtig, nicht die Promis und Pseudopromis auf den Flachbildschirmen, sondern:

Ihr seid das Salz der Erde“.

Was kann das bedeuten? Jedenfalls scheint Jesus weitaus mehr Potential in unserem kleinen

Leben und in unserem bisschen Glauben zu entdecken, als wir das selber tun! Das ist spannend.

„Ihr seid das Salz der Erde“, sagt uns Jesus auf den Kopf zu. Darin steckt eine dreifache Botschaft,

die ich Euch Konfirmanden auf den Glaubensweg mitgeben möchte. Uns natürlich auch.

Das Erste: Jesus macht uns mit diesem Bildwort klar: Ihr seid unendlich wertvoll! Jeder und jede

von Euch. Unabhängig davon, wie klug, oder wie schön, oder wie gesund, oder wie erfolgreich Ihr

seid. Unabhängig davon, aus welcher Schicht Ihr stammt, auf welche Schule Ihr geht, oder welchen

Beruf Ihr einmal ergreifen werdet: Ihr seid wertvoll.

Wer sagt uns sonst so was, außer vielleicht die eigene Familie? Wer sonst gibt uns so einen Wert

und so eine Würde, wie es Jesus tut? Die meisten Botschaften die Jugendliche, aber auch

Erwachsene heute hören, klingen anders: Ihr seid Durchschnitt und belanglos.

Ihr werdet nicht wirklich gebraucht. Höchstens als Konsumenten, als Steuerzahler und dafür, dass

die Renten einigermaßen sicher sind. Aber eigentlich seid ihr Nummern, austauschbar, Kinder des

Zufalls.

Was solche Botschaften in der Seele eines Jugendlichen bewirkt, können wir uns glaube ich

ausmalen. „Ihr seid das Salz der Erde“, hält Jesu dagegen. Und das baut einen extrem auf!

Schauen wir uns das Bild vom Salz genauer an. „Weißes Gold“ wurde Salz lange Zeit genannt. Salz

ist lebenswichtig: es sorgt für die Regulation des Wasserhaushalts und unsere Muskeln und Nerven

brauchen es auch. Im Mittelalter fußte das gesamte Finanzsystem auf dem Salzhandel. Salz war

unentbehrlich für die Konservierung von Lebensmitteln und für das produzierende Gewerbe.

Handelsstraßen und Städte wurden danach benannt: Salzburg, Bad Reichenhall, Schwäbisch Hall,

Hallein wurden reich durch Salz.

„Ihr seid das Salz der Erde.“ Das bedeutet also: Ihr seid wertvoll, ihr seid sogar überlebenswichtig!

Warum? Nun, weil ihr keine Staubkörnchen im Universum seid, keine Nummern, sondern Gottes

geliebte Kinder. Und sobald ein Mensch das erkennt und daraus lebt, wird er zum Salz der Erde.

Denn er wird sich immer einsetzen, wo diese unwahrscheinliche Würde von Menschen bedroht ist.

Als Christen werdet Ihr Konfirmanden in Eurer Umgebung wirken, wie das Salz in der Suppe: denn

Ihr werdet irgendetwas Kleines oder Großes tun für Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen,

Rassen, Religionen. Ein Christ kann doch gar nicht anders, als glauben, lieben und hoffen. Und er

wird die anderen damit wenigstens ein bisschen anstecken. Wer seinen Glauben wirklich lebt, wird

wie Salz wirken: und Würze sein, die vor der Fäulnis der Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit

schützt. Darum seid ihr so unendlich wertvoll, auch wenn ihr vielleicht nie im Rampenlicht steht!

„Ihr seid das Salz der Erde.“ Darin steckt noch ein zweiter Gedanke. Salz hat immer auch

etwas Ätzendes, Scharfes an sich. Das bedeutet übertragen: Lebt leidenschaftlich! Christsein im

Sinne Jesu hat nichts zu tun mit Langeweile und Angepasstheit. Es bringt eher mit sich, dass man

wenigstens ab und zu Stellung bezieht und sich einmischt. Auch, wenn es unbequem ist und Überwindung

kostet! Salz muss in die Suppe, es muss sich auflösen. Niemand hat etwas davon, wenn

wir uns aufsparen, und nur unser privates Glück suchen!

Das beste Beispiel ist Jesus selbst. Der hat sich auch nicht aufgespart. Sondern er hat sein Leben

investiert für die Wahrheit, und für das Leben – letztlich für uns alle!

Hier in der Martin-Luther-Kirche haben wir noch ein anderes eindrückliches Beispiel, das Euch

Konfirmanden entspricht, schon vom Alter her. Ich meine damit die Freunde von Hans und Sophie

Scholl, die Überlebenden der „Weißen Rose“, die kaum jemand kennt. Sie sehen die drei auf Ihrem

Liedblatt: jeweils als Jugendliche und daneben ein Altersbild. Die Pfarrerskinder Hans und Suse

Hirzel und Franz Müller, der Ministrant war. Er und Suse leben noch heute, fast 90jährig.

Suse Hirzel konntet Ihr vor 6 Wochen persönlich kennen lernen: bis heute eine eindrucksvolle Frau,

ungeheuer lebendig und hellwach, in jeder Beziehung!

Vermutlich haben auch Sie als Paten und Verwandte diese Geschichte unserer Kirche so in etwa

erzählt bekommen: vor 67 Jahren, im Januar 1943, versteckt die Schüler Hans Hirzel und Franz

Müller in dieser Orgel 2.000 hochverräterische Flugblätter der „Weißen Rose“ gegen Hitler.

Sie machten sie postfertig und Suse Hirzel hat die Briefe dann massenweise in Stuttgart verteilt.

Warum? Warum diese drei Jugendlichen? Weil sie mit Hans und Sophie Scholl befreundet waren;

und weil sie in ihrem christlich geprägten Gewissen gespürt haben, dass man Hitler und den Nazis

irgendwie widerstehen muss, auch wenn es unmöglich erscheint.

Ihr seid das Salz der Erde! Würze, die vor Fäulnis schützt, vor Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit!

Mit den Konfirmanden haben wir dieser Schülergruppe der Weißen Rose im Treppenhaus

ein Denkmal gesetzt. Sie können sie nachher gerne anschauen! Darauf dürft Ihr stolz sein! Eure

Fragen und Kommentare sind ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung, und sie werden schon jetzt

von ziemlich vielen Schulklassen und Gästen gelesen. Schaut, schon seid „IHR Salz der Erde“.

Darum: lebt weiter leidenschaftlich! Leistet Euch eine eigene Meinung und einen ernsthaften

Glauben! Mischt euch ein. Seid notfalls ätzend und unbequem. Das gehört manchmal zum Christsein!

Gott wird Euch darin segnen.

Ihr seid das Salz der Erde! Liebe Gemeinde, diese Ermutigung Jesu gilt auch uns. Manchmal sind

wir Erwachsene ja ein wenig träge geworden in unserem Glauben; doch es ist nie schwer, das zu

korrigieren. Sie werden relativ leicht den Punkt entdecken, wo es dran ist, dass Sie sich einmischen

und Ihren Glauben an einer kleinen Stelle bekennen, mit Taten oder Worten.

„Ihr seid das Salz der Erde.“ Ein letzter Gedanke, liebe Konfirmanden: Achtet weiter auf diese

mutmachende Stimme Jesu! Sie ist leise, man muss sich konzentrieren, um sie zu hören. Und es

gibt viel andere Stimmen in der Welt, die uns beeinflussen wollen: laute Stimmen, die uns mit einem

Übermaß an überflüssigen Informationen zudröhnen; viele Stimmen, die uns einlullen und letztlich

verdummen.

Bleibt im Kontakt mit der wichtigsten Stimme! Nehmt Euch Zeit für Gott: im Beten, im Lesen der

Bibel, im Gottesdienst der Gemeinde. Sonst verdunstet Euer Glaube, ohne dass Ihr es merkt; und

die Würze im Leben ist weg. Bleibt im Kontakt mit der Stimme Jesu! Dazu braucht es Gemeinschaft,

dazu braucht es die Kirche, auch als Institution. Ein Salzkorn allein ist arg schwach. Deshalb sagt

uns Jesus „Ihr seid das Salz der Erde“, im Plural. Nicht als Solisten, sondern als Kirche Jesu

Christi werden wir glaubwürdige Zeugen sein. Und eine glaubwürdige Kirche, die müssen wir schon

selber miteinander produzieren!

Darum bringt Euch in der Gemeinde ein: wir sind gespannt auf Euch, Eure Fragen, Eure Ideen,

Eure Salzkraft: in den Jugendgruppen, im Jugendgospelprojekt, als Mitarbeiter in der Kinderkirche

oder im Ruhetal, oder wo auch immer. Denn Ihr seid wertvoll: „Ihr seid das Salz der Erde“. AMEN.

Pfarrer Volker Bleil

Martin-Luther-Kirche Ulm