Evangelisch Methodistische Kirche Ulm - Erlöserkirche

Katholische Kirchegemeinde St. Elisabeth und Heilig –Geist Evangelische ReformationsKirchengemeinde Ulm

ÖKUMENISCHE BIBELWOCHE 2006

 

 

„ALLES

HAT SEINE ZEIT!“

 

Predigt über

Kohelet 3, Verse 1 – 12

 

Predigt

von

 

Pfarrer Andreas Wiedenmann

Pfarramt Martin-Luther-Kirche Süd

 

am Bibelsonntag, den 19. Februar 2006 um 10.30 Uhr in der katholischen St. Elisabethkirche Ulm


Liebe Gemeinde,


haben Sie das auch schon einmal gesehen: Im Hauptbahnhof steht ein großer Zug zur Abfahrt bereit. Die Ausfahrtssignale stehen auf grün, die Lautsprecherstimme mahnte gerade noch: „Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges“, der Schaffner steht noch mit einem Bein auf dem Trittbrett und schaut ein letztes Mal nach dem Bahnsteig. Gleich wird der Zugführer seine Lokomotive in Bewegung setzen.

Da rennt ein Mann völlig verschwitzt die Treppen hoch, rennt wie um sein Leben, rennt zur letzten offenen Tür und ....

... ja, diesmal hat es gerade noch geklappt!


I


Liebe Gemeinde,

so war das wohl auch beim Buch „Kohelet“, oder, um es mit den Worten der alten Lutherbibel zu sagen: beim Buch „Prediger“.

Wir gehen davon aus, dass die Zusammenstellung des Alten Testaments wohl gerade fertig war, dass der biblische Kanon fast schon abschließend zusammengefügt war. Der Zug mit den vielen Waggons, der sich Hebräische Bibel nennt, war gerade dabei, seine Türen zu schließen. Da kam ganz am Schluss, sozusagen als allerletztes Buch,
der „Prediger“, das Buch „Kohelet“ dazu. Der ganze Duktus dieses Bibelbuches atmet die Luft sehr später biblischer Überlieferung1.


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1           Zur Datierung und zu Einleitungsfragen siehe: Rudolf Smend, Die Entstehung des Alten Testaments, ThW Bd. 1, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1981, 2. Aufl., S. 218.219

            zur Theologie von Kohelet siehe: Walther Zimmerli, Grundriss der alttestamentlichen Theologie, ThW Bd. 3, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1982, 4. Aufl., S. 141 ff


Eingeflossen sind in das Buch wohl Überlegungen aus dem Hellenismus: aus der Welt der alten Griechen erkennen wir beispielsweise Bruchstücke der stoischen Philosophie und der dazugehörenden gleichnamigen Gelassenheit. Sodann sind eigenwillige Vokabeln aus der persischen Sprache eingestreut, manche aramäischen Wendungen fordern höchste Übersetzungskunst. Es stecken geheimnisvolle Gedankengänge aus dem alten Orient in den Sprüchen. Und wir erkennen Motive, die im Schatten der Pyramiden am Nilufer gewachsen sind, Motive aus dem Alten Ägypten; zu nennen sind hier vor allem das sogenannte tragische „Gespräch des Lebensmüden mit seiner Seele“. Manches klingt auch wie das berühmte schwermütige „Harfnerlied“.2

Dieser zuletzt zugestiegene „Fahrgast“ im Zug der hebräischen Bibel scheint einer der schillerndsten zu sein. Und so hat man offenbar lange diskutiert, ob das Buch überhaupt Bestandteil des Alten Testaments sein soll oder doch lieber Bestandteil der Apokryphen, der sogenannten „Spätschriften“.

Wir müssen diese Entscheidung – Gottlob! – nicht mehr fällen: das Buch „sitzt“ inzwischen fest im Sessel des Zuges, der sich Altes Testament nennt; fährt der „Prediger“ in der Heiligen Schrift jetzt doch auch schon seit über 2000 Jahren kaum hinterfragt mit.

Und weil der Prediger Anspielungen auf Jerusalem und auf den König Salomo enthält, wird an ihm nicht mehr weiter gerüttelt. Das Buch „Prediger“ gilt im Judentum inzwischen sogar als „Königstestament“3. In den zurückliegenden ökumenischen Bibeltagen hat Pastor Brinkmann ausgeführt, wie das Buch auch in einem biographischen Zusammenhang mit König Salomo gesehen werden kann, dieser Mann hatte schließlich alle Vergnügungen und alle Gefährdungen eines Staatsmannes durchlebt und durchlitten. Der Prediger sagt: „Bei viel Weisheit ist viel Kummer!“ (Prediger 1, 18). 


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2           zu den Parallelen siehe Einleitung zu den Weisheitsbücher, in: Die Bibel, Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes mit den Erläuterungen der Jerusalemer Bibel, hrsg. v. D. Arenhoevel, A. Deissler und Anton Vögtle, Freiburg, Basel, Wien 1981, 16. Auflage, S. 828

3          siehe zu diesem Begriff: Gerhard von Rad, Weisheit in Israel, Neunkirchen-Vluyn 1982, 2. Aufl., S. 292ff


II


Heute, in diesem ökumenischen Gottesdienst, soll es nicht um den ganzen Prediger gehen, sondern nur um den ersten Teil des dritten Kapitels. Ich lese nach der Übersetzung Martin Luthers:


(1)     Ein jegliches hat seine Zeit
und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

(2)         geboren werden hat seine Zeit -          sterben hat seine Zeit;
         pflanzen hat seine Zeit            -             ausrotten (...) hat seine Zeit;
(3)     töten hat seine Zeit             -         heilen hat seine Zeit
         abbrechen hat seine Zeit          -          bauen hat seine Zeit;
(4)         weinen hat seine Zeit             -         lachen hat seine Zeit;
         klagen hat seine Zeit             -         tanzen hat seine Zeit;
(5)         Steine werfen hat seine Zeit -          Steine sammeln hat seine Zeit;
herzen hat seine Zeit             -         aufhören zu herzen hat seine Zeit;
(6)         suchen hat seine Zeit            -         verlieren hat seine Zeit;
         behalten hat seine Zeit          -          wegwerfen hat seine Zeit;
(7)         zerreißen hat seine Zeit          -          zunähen hat seine Zeit;
         schweigen hat seine Zeit          -          reden hat seine Zeit;
(8)         lieben hat seine Zeit             -         hassen hat seine Zeit;
         Streit hat seine Zeit             -         Frieden hat seine Zeit.
                  
(9)     Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

(10)   Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat,
dass sie sich damit plagen.

(11)   Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit,
auch hat er die Ewigkeit in sein Herz gelegt;
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

(12)   Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt
als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.       

                                                                                                                                                                                    AMEN.


III

Liebe Gemeinde,

spannend, diese vierzehn Gegensatzpaare. Ein Kennzeichen der israelitischen Weisheit sind gerade solche Kataloge der Wirklichkeit. Und so finden wir bei den alten Weisen immer wieder solche „Zahlenkataloge“, sogar numerisch gestaltete Tabellen und Verzeichnisse, in denen das Wissen um die Weltwirklichkeiten in enzyklopädischer Form zusammengetragen war. Das kann paarweise geschehen durch Parallelen, oder auch - wie hier - durch schroffe Gegensatzpaare.  Es ist rührend, zu sehen, wie diese Menschen um Ordnung bei der Erfassung von Wirklichkeit und Kosmos bemüht waren. Bei diesem Erkenntnisweg hatte sowohl die Mathematik als auch die Zahlensymbolik eine wichtige Funktion.

Die Königin von Saba war einst eigens nach Palästina gereist und sie war anschließend ganz begeistert von der Salomonischen Weisheit. Gewiss spielte hier auch Mathematik 4 beim Lösen der Welträtsel eine Rolle und mit neuen faszinierenden Erkenntnissen kam die Königin von Saba wieder heim, nachdem sie diese kleine, aber feine Jerusalemer Universität kennen gelernt hatte.

Und nun haben wir es hier mit der Zahl „vierzehn“ zu tun. Vierzehn mit Ereignissen angefüllte Zeiten werden beschrieben. Was steckt hinter der Zahl „vierzehn“? Im Orient war damit die Zeit des Vollmondes gemeint. Der Mondmonat besteht aus 28 Tagen, der vierzehnte Tag kennzeichnet den vollen Mond, dessen freundliches und mildes Licht für jeden Orientalen eine Wohltat ist. In den Geschichten von Tausendundeiner Nacht wird einmal ein auffallend schöner Mensch mit folgenden Worten beschrieben: „Er erstrahlt wie der Mond in der vierzehnten Nacht!“5

Vierzehn, die Zahl der Schönheit, auch die Zahl, bei welcher der Mond seinen Höhepunkt erreicht, somit die Zahl der Vollkommenheit.

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4           s.o. Gerhard von Rad, S. 55

5          Otto Betz, Das Geheimnis der Zahlen, Stuttgart 1989, S. 124





In der Evangelischen Kirche wird man mit vierzehn Jahren konfirmiert und in die religiöse Mündigkeit entlassen; früher kam auch mit diesem Datum der Berufsbeginn. In der Katholischen Kirche gilt diese Zahl als hilfreich. Denn die spirituelle Tradition der katholischen Kirche kennt vierzehn Nothelfer. Es sind dies vierzehn Heilige, die hilfreich im Namen Gottes auf vierzehn menschliche Grundnöte antworten und im Auftrag Gottes notwendend zum Guten eingreifen, wenn Menschen sich in den Gefahren des Lebens verfangen haben.

Die Tradition und Bedeutung dieser Zahl ist also ökumenisch, groß, weit und weise!

Aber schauen wir jetzt zu den vierzehn Paaren des heutigen Bibelwortes.

IV


Vierzehn verschiedene Lebenszeiten und Lebensumstände werden angerissen. Menschliches Dasein zerfällt in der Tat oft in diese Zeitphasen. „Tempus“, sagten die alten Römer zur Zeit und meinten damit wörtlich das „Zerschnittene“, das „Ausgegrenzte“, auch das in Einzelteile „Zerfetzte“. „Tempo, Tempo!“, so heuert man auch in Turin die Wettkämpfer in diesen Tagen an. Das versetzt die Athleten in Unruhe und in höhere Geschwindigkeit.


„Tempo, Tempo!“ - Das moderne Zeitempfinden geht wohl auch in diese Richtung. Vornehm ausgedrückt nennen wir es „Erlebnisdichte“, weniger vornehm erleben wir unsere Zeit als hektisch, stressig, fahrig, rasant. Es passiert oft zuviel gleichzeitig und es passiert durcheinander, wir tun uns schwer, diese vielen Zeiten für uns zu sortieren und auf die Reihe zu bringen. Unsere beschleunigte Zeit hat dadurch etwas sehr Kurzlebiges und Kurzatmiges. Das lässt sich in politischen Dingen erkennen und endet bei den pädagogischen.

Es fällt auf, dass wir zunehmend mehr Grundschulkindern Beruhigungsmittel geben müssen, damit sie einigermaßen gefasst und gesammelt den Schulvormittag durchstehen. Und die Kinder der Unter- und Mittelstufe klagen vermehrt über abendliche Einschlafstörungen, weil sie so wenig zur Stille, zur wirklich innerlichen Ruhe kommen: Tagesreste fahren im Kopf herum; und dann hilft nicht einmal mehr Baldrian.

Jesus sagt in seinen Abschiedsreden zu seinen Jüngern:
„In der Welt habt ihr Angst“, oder anders übersetzt:
„In der Welt habt ihr Druck!“ (Johannes 16, 33) 6.

Hat Jesus geahnt, was auf die Menschheit des 21. Jahrhunderts noch zukommen würde? „Tempo, Tempo!“ – Zeit ohne Dauer, Zeit unter Druck, belastende Zeit!

Vierzehn Zeitabschnitte sind vom Prediger genannt. Manche Ausleger sagen: „Ja, so ist das Leben eben, das ist doch ganz normal. So spielt das Leben!“

(2)         „Geboren werden hat seine Zeit  -         sterben hat seine Zeit!“

so übersetzen in der Regel wir Männer.

Frauen dürfen hier ruhig auch die aktive Form lesen bzw. übersetzen:

„Gebären hat seine Zeit             -         sterben hat seine Zeit!“

Und plötzlich ahne ich als Mann auch noch etwas von den Schmerzen, die zu einer Geburt gehören! Der Philosoph Martin Heidegger sagte in einer Vorlesung einmal über einen anderen Philosophen:

„Er wurde geboren, er arbeitete und er starb!“

Einverstanden: das ist der „Dreisprung“, den jeder Mensch in seiner Zeit zu bewältigen hat.

Bei den anderen Dingen bin ich mir persönlich aber nicht sicher, ob das wirklich auch „so normal“ ist: das „Ausreißen“, das „Verlassen“, das „Wegwerfen“?

Statistisch gesehen endet jedes dritte Paar, das vor dem Traualtar einer Kirche steht, über kurz oder lang vor dem Scheidungsrichter:
„Herzen hat seine Zeit      -   aufhören zu herzen hat seine Zeit;
         suchen hat seine Zeit       -          verlieren hat seine Zeit;
         behalten hat seine Zeit     -         wegwerfen hat seine Zeit.“

Wie wahr! Zugleich: wie traurig!

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6           so die überraschende Übersetzung in: Wolfgang Achtner, Stefan Kunz und Thomas Walter, Dimensionen der Zeit. Die Zeitstrukturen Gottes, der Welt und des Menschen, Darmstadt 1998, S. 162. Die Autoren benennen dieses Zeiterleben als „exogene Zeit“.
Kann man das so einfach dahinsagen, darf man das als „Normalität
des Lebens“
predigen? Pater Anselm Grün sagt, dass in den vierzehn
Sprüchen eben die gewohnten doppelten Pole des Lebens erkennbar
seien und er schreibt: „Diese Pole gehören zum Leben“ 7. Kann man da
nur JA und AMEN sagen und festhalten, dass das Leben eben genau so
spielt?


V
Liebe Gemeinde,

ich habe lange an diesen vierzehn beschriebenen Zeitpaaren gedanklich „herumgekaut“, habe mich vielleicht auch „festgebissen“. Oder anders gewendet: dieser „Prediger“ hat mich geplagt. Mir geht diese Tabelle mit ihren vierzehn Posten nicht so leicht über die Lippen. Freilich: irgendwie verhält sich das Leben schon so, vor allem, wenn man scharf hinschaut. Aber soll ich das akzeptieren, soll ich mich in diese Dinge einfach einfinden?

Ich tue mir schwer: ich will doch herzen und nicht mehr aufhören zu herzen. Ich will lieben und durch die Liebe den Hass überwinden. Ich will den Frieden, ich bete für den Frieden und ich will durch friedensstiftende Maßnahmen den Krieg verhindern. Ich will tanzen und ich will musizieren und ich will noch einmal tanzen und musizieren. Ich will gute Zeiten in Ulm erleben und nicht den Streit und nicht den Zank und nicht den Hader!

Wie sollen wir dann den Prediger verstehen?


VI

Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Pole liegt außerhalb der vierzehn Pole: „Gott hat die Ewigkeit in das Herz des Menschen gelegt!“ – Hier sagt der Prediger ein Schlüsselwort. Ich bin den raschen Wechsel der Zeiten oft satt; ich mag die Menschen am Rande meiner Laufbahn nicht, die „Tempo, Tempo“ rufen und olympischen Druck aufbauen; ich will letztlich keine vierzehn Zeitfetzen erleben, sondern Bleibe und Beständigkeit, Ausdauer und „Verweilen-dürfen“, - eben das, was der Prediger „Ewigkeit“ nennt.

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7          Anselm Grün, Im Zeitmaß der Mönche. Vom Umgang mit einem wertvollen Gut,
Freiburg 2003, S. 142

Darf ich es einmal ganz persönlich erzählen: emotional am Schwierigsten finde ich in meinem Seelsorgeberuf den Wechsel von Beerdigung und Traugespräch. Da kann ich innerlich nur schwer nachsprechen: „alles hat seine Zeit!“

Dieses Thema wechselt an manchen Tagen durchaus auch einmal im Takt von wenigen Stunden: „Zeit zu sterben – Zeit zu herzen!“ Ja, es kann an ein und dem selben Abend passieren: „dort: Zeit zu gehen – und dort: Zeit zu lieben!“ Den radikalen Wechsel vom Sterbebett im einen Haus zur Kleinkinderwiege im nächsten Haus, diesen Gefühlswechsel durchleide ich oft in wenigen Minuten. Und ich leide unsäglich darunter.

Freilich, ich weiß: auch Ärzte müssen diese Zeiten in ihrer Sprechstunde oft noch schneller wechseln können. Da ist die Glückliche, in deren Leib ein Kleines junges Leben heranwächst und da ist die Todtraurige, weil ein Geschwür den Leib zerfrisst. Und beide sitzen im selben Wartezimmer nebeneinander, beide sitzen im gleichen Behandlungsstuhl kurz nacheinander. „Zeit zum Lachen – Zeit zum Weinen!“

Ich tue mir schwer, diese auseinander triftenden Seiten im Leben so einfach zu bejahen. Ich bekomme es so überlegen und gleichzeitig so lapidar nicht über die Lippen: „Alles hat eben seine Zeit“.

Doch, liebe Gemeinde, ich vermute, dass dies der Prediger auch gar nicht verlangt. Er sagt ganz schlicht: „Ich sah dies alles, ich sah diese so arg verschiedenen Zeiten!“ – Er sagt nicht: „Ich sah das alles und sah, dass es gut so war!“ – So spricht nur Gott, ganz am Anfang, in der Schöpfung. Der Prediger sagt auch nicht: „Finde dich darin ein, bejahe Dein Schicksal! Nimm die Zeiten eben so an, wie sie kommen!“ – Das machen manchmal die Psychologen daraus; auch Seelsorger reden zuweilen so. Der Prediger will das aber nicht sagen.

Nein: der Prediger erweckt in mir die Sehnsucht nach anderen Zeiten und nach anderen Zeitqualitäten!


VII


Der Prediger nennt das Schlüsselwort „Ewigkeit“. „Gott hat die Ewigkeit ins Herz der Menschen gelegt“ (Prediger 3, Vers 11). Das fundamentale Gegensatzpaar lautet also: Zeit und Ewigkeit.
Ich darf mich darauf freuen, dass dieses Hin- und Hergeworfen sein zwischen den Extrempolen auch einmal ein Ende haben darf. In der Welt, ja, da habt ihr Druck, Bedrängnis, Hektik, flatternde Zeiten! Ihr seid in den Wechsel der persönlichen und politischen Zeiten hineingeworfen. Ihr durchlebt die Zeit als Geschichte und gleichzeitig wird eure persönliche Biographie zwischen diesen Polen geschrieben. Und es ruft aus allen Ecken und Enden: „Tempo, Tempo!“

Aber seid getrost: dies habe ich für Euch österlich überwunden, sagt Jesus seinen Jüngern im Johannesevangelium (Johannes 16, 33).

Und der andere Johannes, Johannes der Seher von Patmos, beschreibt diese Ewigkeit so, dass sogar die Gegensatzpole zwischen Licht und Finsternis, zwischen Tag und Nacht, verschwinden werden (Offenbarung 22, Vers 5):

„Und es wird keine Nacht mehr sein,
und sie bedürfen keiner Leuchte
und nicht des Lichtes der Sonne;
denn Gott der Herr wird sie erleuchten,
und sie werden sein von Ewigkeit zu Ewigkeit!“


Und die anderen beiden Pole, die vom „Lachen“ und „Weinen“, sie werden ebenfalls zugunsten des Lachens einmal endgültig entschieden sein:

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen
und der Tod wird nicht mehr sein,
noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;
denn das Erste ist vergangen.“


So beschreibt es das letzte Buch des Neuen Testaments, Offenbarung 21, Vers 4, fast wie eine direkte Antwort auf die Bemerkungen des Predigers.


Liebe Gemeinde,

das ist Ewigkeit! Und diese Ewigkeit dürfen wir gerne in den Gegensatz zur Zeit und ihren sich widersprechenden Zeitfenstern bringen. Freilich leben wir jetzt unter den Parametern der vierzehn gegensätzlichen Pole. Wir müssen diese Pole beklagen. Aber, das letzte Buch der Bibel verrät uns, dass seit Ostern diese Gegensatzpole zugunsten der guten Seite entschieden sind.

Und deshalb liebe Gemeinde, dürfen wir auch hier auf Erden schon mithelfen, dass vor allem das Pflanzen seine Zeit hat, das Heilen, das konstruktive Bauen, das fröhliche, österliche Lachen, das Herzen, die Versöhnung, die Liebe und der Frieden. Wir dürfen, ja wir sollen einseitig werden. Das feiern wir an Ostern. Und Gott steckt dahinter, denn er hat, wie Kohelet schreibt, die Ewigkeit in unser Herz gelegt. Und er holt uns dereinst einmal endgültig aus diesem Katalog der widerstreitenden Zeiten heraus.

Der Kirchenvater Augustinus, den beide Konfessionen in gleicher Weise schätzen, hat deshalb einmal einen siebenteiligen Alternativkatalog zum Buch Prediger und dessen vierzehnteiligen „Zeitenkatalog“ aufgestellt. Es ist sozusagen sein „Ewigkeitskatalog“; mit dem möchte ich schließen:


„In der Welt Gottes werden wir einmal
ruhig und ungestört wohnen dürfen,
werden wir schauen dürfen,
schauen und lieben,
lieben und loben;
sieh, was am Ende sein wird ohne Ende!

Unruhig ist unser Herz,
bis es Ruhe findet bei Dir, o, Gott!

Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt!“


AMEN.