Kunst an und in der Martin-Luther-Kirche

DIE KIRCHE - DIE FARBFENSTER - DIE KRUZIFIXE - DAS LUTHERSTANDBILD - DIE BRUNNENPYRAMIDE - DAS BRONZERELIEF - DAS GRAFFITI

Die Kirche

errichtet 1926 bis 1928 von Theodor Veil (1879 - 1965), einem Mitbegründer des Deutschen Werkbundes; vom Architekten auch die gesamte, weitgehend erhaltene Inneneinrichtung bis hin zu Leuchtern, Abendmahlskelchen u.a.

Fassade der Martin-Luther-Kirche   Der Backsteinbau der Martin-Luther-Kirche.

"Die Nachzeichnung der Fensterstürze wiederum betont die Höhe der Sturzsteine in extremer Weise. Nicht weniger extrem wirkt die Verlängerung der Fensterbrüstungen nach unten. Derartige Übersteigerungen formaler Details sind ein typisches Merkmal expressionistischer Architektur, vor allem im Backsteinbau Norddeutschlands. Allerdings setzt Theodor Veil diese Formgebungen nicht im expressionistischen Sinn, sondern rein dekorativ ein.
Wie entsteht dieses Fugenbild? Dadurch, dass alle senkrechten Fugen mit einem Rundholz eingetieft und dunkel gefärbt sind, wohingegen die waagerechten Fugen in betonter Helligkeit aufgeputzt und sorgfältig beschnitten sind. Selbst das Zusammentreffen aufgeputzter Fugen verschiedener Verlaufrichtungen ist mit äußerster Akkuratesse behandelt. Soweit ich sehe, ist diese Art der Fugenbehandlung Veils ureigenster Gedanke. Halten wir fest, dass ihm offenbar sehr daran gelegen war, den althergebrachten Baustoffen - Backstein und Mörtel - eine äußerst sorgfältige, ja mit künstlerischem Anspruch verbundene handwerkliche Gestaltung angedeihen zu lassen.

Die Martin-Luther-Kirche ist kein Bau, der seine Modernität besonders zur Schau trägt. Ja, auf den ersten Blick möchte man ihn eher traditionell nennen, so sehr bestimmen Merkmale wie das steil geneigte und mit Biberschwanzziegeln gedeckte Satteldach, die gotisierenden Spitzbögen der Blendnischen oder die vertraut anmutende Turmhaube das Erscheinungsbild.
Dennoch geht Veil in durchaus moderner Weise mit Bauformen um. Dies lässt sich gerade auch am Turm demonstrieren. Zwar wächst aus der Giebelfront und den Dachflächen in durchaus traditionsgebundener Weise ein viereckiger Turmstumpf heraus, doch wird dieser Ansatz völlig überspielt von dem gleich breiten, aber über Eck gestellten oberen Aufsatz, dessen Kanten über den unteren Turmstumpf hinweglaufen - ja in der Fassade wird diese Kante sogar bis über den Portalbogen hinausgezogen.
So tritt an der Dreiecksfläche des Giebels ein spitzwinklig-dreiseitiger, einem Erker ähnelnder Bauteil hervor. An Erker erinnern hier auch die vielen kleinen Fenster und mehrfachen Horizontalgesimse. Dieser spitzwinklig-prismenhafte Gestaltungseffekt kehrt in verkleinerter Form auch am hinteren Giebel im Kaminaufsatz wieder."
(Aus: Hubert Krins - Die Martin-Luther-Kirche in Ulm, Vortrag zum 60. Jahrestag der Einweihung am 8. Mai 1988. Das mit vielen Bildern gestaltete Heft ist im Gemeindesekretariat für DM 5,- erhältlich.)

Die Farbfenster

einige von Frau Veil, der Gattin des Architekten, vier der Schöpfungsfenster von Frau Thiele-Veil, seiner Tochter, das Reformations- und das Weihnachtsfenster vom Architekten selbst entworfen.

Das Reformationsfenster von Th. Veil
Reformationsfenster von Theodor Veil.
Über der Lutherrose ist die Melodie des Lutherliedes "Ein feste Burg ist unser Gott" zu sehen. Links Geburts-, rechts Sterbejahr Luthers. Darunter ist das Jahr der Reformation und der Einweihung der Martin-Luther Kirche festgehalten. Ganz unten zwei Bibelstellen, die für die Reformation Luthers wichtig wurden.

Bilder der weiteren Fenster

Das Kruzifix im Unteren Saal

ist ein gute, in Holz nachgeschnitzte Kopie des Originals in der Besserer-Kapelle des Ulmer Münsters, das der Werkstatt Michel Erharts zugeschrieben wird; sie wurde 1907 für das Martinskirchle erworben und hierher übernommen.

Kruzifix im Unteren Saal

Kruzifix über dem Alter, die Evangelisten, Kanzelreliefs und Reliefs an der Eingangsempore

Sie stammen von dem gebürtigen Neu-Ulmer Holz- und Steinbildhauer Martin Scheible (1873 - 1954); sein Motto war: "Man schafft nicht, um berühmt zu werden, sondern um sich selbst Genüge zu tun." Vom Kruzifix musste Scheible einen Entwurf in Gips zur Beurteilung an den Oberkirchenrat in Stuttgart einreichen.

Kruzifix über dem Altar

- Zu weiteren Kunstwerken von Martin Scheible -

Das Lutherstandbild über dem Haupteingang der Kirche

Ebenfalls von Scheible in Anlehnung an ein Gemälde von Lucas Cranach des Älteren. Als die Figur an dem dafür vorgesehenen Platz aufgestellt werden sollte, stellte es sich heraus, dass der Abstand zwischen Basis und Dach zu gering war. Als mussten die Steinmetzen Martin Luther ein Stück kürzer machen. Zum Glück reichte es, etwas von seiner Haube abzuarbeiten.

Martin-Luther Standbild   Martin-Luther Standbild

Die Brunnenpyramide im Lichthof des Gemeindehauses

Sie wurde anlässlich des 50 jährigen Jubiläums der Kirche von dem Ulmer Künstler Herbert Volz (* 1944) geschaffen. Kupferfigur und Bodenrelief drücken symbolische Grundformen aus:
- das Dreieck weist auf Gott
- der Kreis zeigt auf die Erde
- das Quadrat öffnet den Raum zur Begegnung

Die Brunnenpyramide

Das Bronzerelief am Gemeindehaus

Als 1968 das Gemeindehaus gebaut wurde, wurde der Ulmer Künstler Günther Späth (1921 - 1991) mit der Gestaltung der nordöstlichen Ecke des neuen Gebäudes betraut. Er brauchte 10 Jahre zur Ausführung. Zum 50-jährigen Jubiläum der Kirche 1978 wurde es der Gemeinde übergeben. Die Motive sind einem Abschnitt des Epheserbriefes entnommen. Dort wird Christus der "Frieden" genannt, der am "Kreuz die Feindschaft getötet hat". Späth sagt: "Ich möchte die Nahtstelle zwischen den Menschen, die vom Heil fern sind, und den Menschen, die ihm nah sind, herausbringen. `In Christus seid ihr jetzt, die ihr vormals ferne gewesen seid, nahe geworden durch das Blut Christi.` Daher der ausgegossene Kelch, der die Szenen verbindet." Das Relief zeigt links die Nahen, rechts den Fernen, und das Kreuz in T-Form beugt sich wie ein Schutzdach über die beiden Menschengruppen.
Ganz rechts außen ist Christus als Eckstein dargestellt. Die beiden Bilder um die Ecke zeigen den aus dem Grab kommenden Lazarus und die Emmaus-Szene.

Das Bronzerelief

Graffiti an der Parkseite des Gemeindehauses

Im Juni 1994 wurde unter dem Motto "Die Zukunft unserer Kinder" ein Martin-Luther-Kirchentag veranstaltet. Aus diesem Anlass gestalteten die damals 19-jährigen Graffiti-Künstler Uwe Gales und Ralf Blickle eine Front des Gemeindehauses und nannten das Werk "5 vor 12".
Zitat Gales:"Ich baue mit dem Sprühen Frust ab, drücke Gefühle aus, rege zum Nachdenken an!" - Sprühen als ein Stück Jugendkultur.

Grafitti